Was bedeutet digitale Fairness für uns?
Digitale Fairness ist ein Konzept aus dem Verbraucher*innenschutz. Sie ist für uns die Vision einer digitalen Welt, in der Menschen selbstbestimmt und gleichberechtigt handeln können. Vor allem bei kommerziellen Angeboten fällt die Abwesenheit von digitaler Fairness auf. Sie äußert sich insbesondere durch:
Intransparenz
Zum Beispiel wenn Verbraucher*innen nicht abschätzen können, in welche Verträge sie einwilligen
Manipulative Praktiken
Zum Beispiel wenn uns große grüne Buttons dazu verleiten, einen Vertrag abzuschließen oder Konditionen zuzustimmen, die nicht in unserem Interesse sind
Tracking und Personalisierung
Zum Beispiel wenn hinter einem digitalen Angebot ein technisches System in Sekunden entscheidet, welche Werbung oder welche Preise uns angezeigt werden, weil sie unsere Vorlieben, Schwächen und finanziellen Möglichkeiten genau kennen
Warum sprechen wir über digitale Fairness?
Digitale Fairness klingt erst einmal gut – aber was genau das bedeutet, ist unklar. Weil der Begriffso schwammig ist, ist er für viele Bewegungen anschlussfähig: Verbraucher*innenschutz, Antidiskriminierungsrecht, Kinderrechte online, digitale Grundversorgung, das Grundrecht auf Gewährleistung der Vertraulichkeit und Integrität informationstechnischer Systeme und mehr.
Es ist schwierig, diese Bedürfnisse und Rechtsansprüche gemeinsam zu betrachten und Maßnahmen zu identifizieren, die allen gerecht werden. Dieser Herausforderung muss sich die Debatte um digitale Fairness aber stellen. Denn Fairness kann es nicht nur für einige, sondern muss es für alle gleichermaßen geben.
Der Hauptkonflikt besteht aber nicht zwischen unterschiedlichen Betroffenengruppen: In digitalen Märkten ist Macht sehr ungleich verteilt und liegt vor allem bei den Anbieterfirmen. Dieses Machtungleichgewicht will der Digital Fairness Act der EU adressieren und aufheben. Das kann nur gelingen, wenn wir verstehen, wie unterschiedlich Gerechtigkeit online für unterschiedliche Gruppen aussehen kann – und dann digitale Angebote so regulieren, dass sie unsere Stärken stützen und unsere Schwächen geschützt sind.
In diesem Schlaglicht beleuchten wir:
Welche Spannungsfelder wir im Bereich digitale Fairness erleben
Mit welchen Zukunftsszenarien wir testen, wie wir digitaler Fairness schon heute näherkommen
Welche konkreten Probleme wir sehen und welche Handlungsempfehlungen wir geben
Welche interdisziplinären Perspektiven das Thema braucht
Von wessen Arbeit wir inspiriert werden
Wie gelingt digitale Fairness für alle?
Digitale Fairness ist Barrierefreiheit, ist leichte Sprache, ist eine kind- und altersgerechte Gestaltung. Wir alle sind im digitalen Raum verletzlich, aber nicht auf die gleiche Weise und nicht im gleichen Maß. Digitalpolitik, die schützen soll, adressiert häufig nur ein bestimmtes Problem und entwickelt eine techno-juristische Lösung – die oft andere Probleme herbeiführt oder verstärkt.
Ein Beispiel: Digitale Identifikationssysteme, mit denen Menschen ihre Identität online nachweisen, sollen Online-Käufe sicherer machen. Das tun sie nur für die, die auch einen Ausweis oder eine ID haben, und die über ein Smartphone verfügen, das diese speichern kann – und die Ansprüche dafür sind hoch. Die Frage ist also: Sicherer für wen? Wen schließt so eine Lösung aus? Was macht es mit uns, wenn wir uns daran gewöhnen, uns überall auszuweisen? Was passiert, wenn eine digitale ID geklaut wird?
Digitale Fairness wird weder durch eine One-Size- oder eine ganzheitliche Lösung erreicht noch durch eine Sammlung einzelner Maßnahmen. Sie fragt zwar: Wer ist besonders verletzlich, wer verdient besonderen Schutz? Die Antwort liegt aber nicht darin, Fairness nur in ausgewählten Bereichen und nur für bestimmte Gruppen von Betroffenen zu schaffen, während in anderen Bereichen weiterhin schlechte Praktiken geduldet werden.
Digitale Fairness heißt, die Rechte aller Verbraucher:innen zu stärken und ihre Bedürfnisse zu erfüllen. Wenn diese Bedürfnisse in Widerspruch zueinander geraten, müssen wir genau hinsehen und sicherstellen, dass Grundrechte immer gewahrt bleiben.
Auf englisch würden wir sagen: “We’re raising the floor for the many, not the ceiling for the few.” Übertragen bedeutet das: Digitale Fairness verbessert die Situation aller durch ein strategisches, durchdachtes Vorgehen. Am Ende geht es darum, die Messlatte hochzulegen, an der sich digitale Dienste messen lassen müssen!
Ist digitale Fairness anders als analoge Fairness?
Wenn wir von digitalem Verbraucher*innenschutz sprechen, behandeln wir Probleme im digitalen Raum schnell als Sonderfälle: Dark Patterns, personalisierte Preise, Tracking oder algorithmische Diskriminierung scheinen nach neuen, spezifisch digitalen Antworten zu verlangen. Doch wie viel davon ist tatsächlich neu und was sind digitale Ausprägungen bereits bekannter Machtungleichgewichte zwischen Unternehmen und Verbraucher:innen oder bestehender gesellschaftlicher Ungleichheiten?
Das „Digitale“ als eigenen Bereich zu betrachten, hilft dabei, neue Technologien und Praktiken sichtbar und regulierbar zu machen. Gleichzeitig kann diese Einordnung uns den Blick auf die Ursachen der Probleme verstellen. Wenn wir vor allem fragen, wie ein Interface gestaltet, ein Algorithmus reguliert oder eine Einwilligung eingeholt werden sollte, treten grundlegendere Fragen in den Hintergrund: Welche Geschäftsmodelle basieren auf manipulativen Praktiken? Wer profitiert von digitalen Angeboten und wer trägt die Risiken und Kosten? Wer kann sich ihnen überhaupt entziehen? Und welche bestehenden gesellschaftlichen Ungleichheiten werden durch digitale Systeme fortgeführt oder verstärkt?
Digitale Fairness bedeutet deshalb für uns auch, die Grenze zwischen „digital“ und „analog“ immer wieder zu hinterfragen. Nicht jedes Problem im digitalen Raum hat seine Ursache im Digitalen, und nicht jedes digitale Problem braucht eine digitale Lösung.
Entscheidend ist deshalb, nicht nur einzelne Technologien und ihre Auswirkungen zu regulieren, sondern die dahinterliegenden gesellschaftlichen Probleme anzugehen. Denn digitale Technologien entstehen und wirken nicht losgelöst von bestehenden Verhältnissen: Soziale und wirtschaftliche Ungleichheit oder eine ungleiche Verteilung von Macht und Ressourcen können sich in digitalen Systemen fortsetzen und durch sie sogar verstärkt werden. Wer ohnehin stärker von Diskriminierung, Ausbeutung oder Überwachung betroffen ist, ist häufig auch im digitalen Raum weniger davor geschützt.
Wer trägt eigentlich die Verantwortung für Fairness?
Cookie-Einstellungen prüfen, AGB lesen, Tracking widersprechen, manipulative Designs erkennen, Personalisierung verstehen: Im digitalen Alltag wird die Verantwortung dafür, sich vor unfairen Praktiken zu schützen, häufig den Verbraucher*innen selbst zugeschoben. Die Antwort darauf lautet dann oft: mehr digitale Kompetenz. Wer gut informiert ist, Risiken erkennt und die richtigen Entscheidungen trifft, so die Logik, kann sich schützen.
Doch dieses Verständnis von Selbstbestimmung greift zu kurz. Digitale Dienste sind komplex, Geschäftsmodelle und Entscheidungsarchitekturen oft kaum durchschaubar. Unternehmen verfügen über deutlich mehr Wissen, Daten und Gestaltungsmacht als einzelne Nutzer*innen. Die Erwartung, Menschen müssten lediglich zu kompetenteren Verbraucher*innen werden, blendet dieses Machtgefälle aus und macht aus Selbstbestimmung schnell die Pflicht zur ständigen Selbstverteidigung. Selbstbestimmung bedeutet, echte Entscheidungen treffen zu können, sie bedeutet nicht, für die Abwehr unfairer Praktiken selbst verantwortlich zu sein.
Gleichzeitig lässt sich diese Verantwortung nicht einfach vom Individuum auf den Staat verlagern. Auch Regulierung beruht auf Annahmen darüber, was für Verbraucher*innen fair, wünschenswert oder zumutbar ist. Doch Menschen haben unterschiedliche Bedürfnisse, Präferenzen und Vorstellungen davon, welche Risiken sie eingehen oder welche Angebote sie nutzen möchten. Wo Regulierung diese Entscheidungen zu stark vorwegnimmt, kann aus Schutz schnell Bevormundung werden, die legitime Wahlmöglichkeiten einschränkt.
Diese Spannung wird vor dem Hintergrund aktueller politischer Entwicklungen nicht weniger: Wenn rechte und autoritäre Kräfte an Einfluss gewinnen, dann steigt das Schutzbedürfnis von Verbraucher*innen mit Diskriminierungserfahrungen, während gleichzeitig staatliche Institutionen sie als immer weniger schützenswert erachten. Wie können also Rahmenbedingungen aussehen, die Menschen wirksam vor unfairen Praktiken und strukturellen Machtungleichgewichten schützen und ihnen gleichzeitig Raum für unterschiedliche Bedürfnisse und Entscheidungen lassen? Und wie sollte die Verantwortung dafür verteilt sein?
Über unsere Zukunftsszenarien
Wir wollen digitalen Verbraucher*innenschutz zukunftsfähig machen – aber wie wird sich die digitale Welt und ihre sozialen und politischen Kontexte entwickeln? Wir haben drei Zukunftsszenarien ausgearbeitet und sie gemeinsam mit Expert*innen diskutiert. Unser Ziel: Welche Weichen können wir schon heute stellen, um für eine unsichere Zukunft gewappnet zu sein?
Wir haben die folgenden Szenarien nicht ausgewählt, weil wir sie für wahrscheinlich halten, sondern weil sie uns als Provokationen neue Denkräume eröffnen. Die Methode ist hier festgehalten. https://superrr.net/de/blog/szenarien
Die entwickelten Empfehlungen finden sich in unseren Leitlinien „Nächster Halt: Digitale Fairness!“.
Die Paywall vor den Grundrechten
Europa, Mitte der 2030er Jahre: Privatsphäre und digitale Selbstbestimmung sind zum Luxus geworden. Wer zahlen kann, schützt sich - wer nicht, bezahlt mit den eigenen Daten. Während wirtschaftliche und staatliche Interessen die Regeln des digitalen Raums bestimmen, sind Daten- und Verbraucher*innenschutz weitgehend verschwunden. Ein Europa entsteht, in dem digitale Grundrechte nicht mehr für alle gelten, sondern hinter einer Paywall liegen.
Mehr lesen
Deutschland und EU, Mitte der 2030er Jahre
Nach Jahren wirtschaftlicher Krise, einem eskalierten Handelskonflikt zwischen den USA und der EU und einem autoritären politischen Rechtsruck in Deutschland und mehreren EU-Mitgliedsstaaten werden politische Entscheidungen in Europa fast ausschließlich von vermeintlichen Wirtschafts- und Sicherheitsinteressen bestimmt. Deregulierung gilt als Voraussetzung für Wettbewerbsfähigkeit und Stabilität. Datenschutz, Verbraucher*innenschutz und zivilgesellschaftliche Beteiligung werden zunehmend als störend oder riskant dargestellt. Die Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) wurde abgeschafft, digitale Grundrechte gelten nicht länger als verbindlicher politischer Auftrag. Zwar entstehen europäische Alternativen zu US-Plattformen, doch sie folgen dem Silicon-Valley-Modell: datengetrieben, renditeorientiert und eng mit staatlichen Sicherheitsinteressen verflochten. Digitale Fairness wird zur Frage des Geldbeutels. Wer es sich leisten kann, kauft sichere, datensparsame Dienste; der Großteil der Bevölkerung ist auf kostenlose Angebote angewiesen, die auf Überwachung, manipulative Designs und aggressive Werbung setzen.
Zivilgesellschaftliche Strukturen wurden im Zuge des politischen Umbaus massiv geschwächt. Unabhängige Beratungs-, Kontroll- und Informationsangebote für Verbraucher*innen sind weitgehend verschwunden. Gleichzeitig steigt der Leidensdruck in der Bevölkerung, da finanzielle Schäden in der Rezession besonders schwer wiegen – politische Konsequenzen ergeben sich dadurch jedoch nicht. Der digitale Raum ist zum zentralen Austragungsort staatlicher Konflikte geworden. Datenflüsse, Regulierung und Inhalte werden als Machtinstrumente eingesetzt. Nationale Regierungen verlieren weiter an Gestaltungsmacht, während Plattformunternehmen zunehmend politische Funktionen übernehmen.
Digitale Souveränität und Fairness existieren in diesem Europa nur für diejenigen, die sie bezahlen oder politisch nutzen können. Die Vision eines digitalen Raums, der allen gehört, ist einer Realität gewichen, in der Marktlogik soziale Ungleichheit nicht nur abbildet, sondern systematisch weiter vertieft.
Fair by Default – aber wie und für wen?
Europa, Mitte der 2030er Jahre: Digitale Grundrechte sind zum Leitprinzip geworden. Offene Standards, datensparsame Technologien und faire Alternativen prägen eine vielfältige digitale Landschaft. Doch mit den neuen Möglichkeiten entstehen neue Fragen: Was bedeutet „fair by default“, also Fairness als Standard, eigentlich konkret und wer entscheidet darüber? Denn auch gut gemeinte Technologien können neue Ausschlüsse schaffen. Digitale Fairness bleibt damit keine rein technische Lösung, sondern eine gesellschaftliche Aushandlungsfrage.
Mehr lesen
Deutschland und EU, Mitte der 2030er Jahre
Auch in diesem Europa prägen wirtschaftliche Krisen und ein anhaltender Handelskonflikt zwischen den USA und der EU die politische Lage. Die Rezession hält an, geopolitische Spannungen werden weiterhin über Sanktionen, Marktabschottung und digitale Infrastrukturen ausgetragen. Digitale Abhängigkeiten gelten nun jedoch als strategisches Risiko, und Grundrechte als Voraussetzung für langfristige Stabilität. Die EU reagiert mit massiven Investitionen in grundrechtswahrende Basistechnologien. Offene Standards, Interoperabilität – also die Fähigkeit verschiedener digitaler Systeme, miteinander zu funktionieren – und datensparsame Architekturen werden aktiv gefördert und in öffentlichen wie privaten Bereichen aktiv eingesetzt.
In diesem Umfeld entstehen zahlreiche kleine und mittlere Tech-Alternativen, die auf Fairness, Transparenz und Gemeinwohl setzen. Die digitale Landschaft wird vielfältiger, aber auch fragmentierter. Klassische Regulierungslogiken greifen nur noch bedingt: Viele Anbieter sind zu klein für bestehende Schwellenwerte, die Durchsetzung bestehenden Rechts wird komplexer, Zuständigkeiten unklarer.
Zugleich rückt die Frage nach Design-Prinzipien ins Zentrum: Fairness soll von Anfang an mitgedacht und als Standard voreingestellt sein (by design & by default) – doch was genau heißt das? Welche Schutzmechanismen müssen verbindlich sein, und wo braucht es Gestaltungsspielräume? Wer entscheidet darüber: Gesetzgeber, Entwickler*innen, Zivilgesellschaft oder Nutzer*innen?
Positiv ist, dass die EU deutlich besser darin geworden ist, Regeln durchzusetzen. Gleichzeitig zeigt sich: Auch faire Alternativen können neue Ausschlüsse schaffen oder an Skalierung und Nutzbarkeit scheitern. Fairness entsteht nicht automatisch durch gute Technik, sondern bleibt eine politische und gesellschaftliche Aushandlungsfrage.
Dieses Szenario zeigt: Echte Alternativen sind möglich. Doch digitale Fairness entsteht nicht von selbst und entscheidet sich im Detail.
Digitalzwang
Europa, 2036: Behördengänge, Mietverträge, Gesundheitsversorgung - fast alles funktioniert inzwischen schnell und bequem digital. Doch was passiert, wenn digital keine Wahl mehr ist? Eine funktionierende digitale Identität wird zur Voraussetzung für gesellschaftliche Teilhabe, während analoge Alternativen zunehmend verschwinden. Wer nicht mithalten kann oder sich bewusst entziehen möchte, riskiert den Anschluss. Aus vermeintlichem digitalen Fortschritt ist digitaler Zwang geworden.
Mehr lesen
Europa, 2036
Kaum jemand erinnert sich noch daran, wie umständlich Verwaltungsprozesse früher waren: Dutzende Formulare, wenig Terminmöglichkeiten und ewige Wartezeiten. Denn seit 2027 sind digitale Ausweissysteme EU-weit verpflichtend. Mittlerweile läuft fast alles digital, egal ob Bezug sozialer Leistungen, der Abschluss eines Mietvertrags oder der Zugang zur Gesundheitsversorgung – eine funktionierende digitale Identität wird dabei natürlich vorausgesetzt. Analoge Wege gibt es offiziell noch, in der Praxis sind sie selten, langsam oder mit zusätzlichen Auflagen verbunden.
Mit der Zeit sind staatliche Grundfunktionen wie Identifikation und Nachweisführung immer enger mit digitalen Angeboten aus der Privatwirtschaft zusammengewachsen. Öffentliche Leistungen werden über technische Systeme abgewickelt, die zugleich Teil größerer Plattformen sind. Für die Nutzer*innen ist kaum noch zu erkennen, wer eigentlich verantwortlich ist, wenn etwas nicht funktioniert – der Staat, der Anbieter oder das System selbst. Um mögliche Fehlfunktionen zu vermeiden, wurden hochwertige digitale Lösungen entwickelt: sicher, komfortabel, mit klaren Regeln zum Umgang mit Daten. Nutzbar für diejenigen, die sich diese Alternativen leisten können. Für alle anderen bleiben einfache oder kostenlose Angebote, die zwar Zugang ermöglichen, aber wenig Schutz bieten und umfangreiche Datennutzung voraussetzen. Diese gesamte Entwicklung verändert den Alltag spürbar. Digitale Kompetenz wird stillschweigend vorausgesetzt und ständige Erreichbarkeit gilt als normal. Wer sich digitalen Systemen entzieht oder sie nicht zuverlässig bedienen kann, gerät schnell ins Abseits. In manchen Bereichen wird fehlende digitale Sichtbarkeit sogar als Risiko wahrgenommen. Verantwortung für Sicherheit, korrekte Nutzung und mögliche Folgen liegt dabei vor allem bei den Einzelnen.
Gleichzeitig entstehen neue Formen der Gegenbewegung. Zivilgesellschaftliche Initiativen, alternative technische Lösungen und unabhängige Angebote versuchen, Handlungsspielräume jenseits der etablierten Strukturen zu schaffen. Sie bieten Rückzugsorte und Orientierung, bleiben jedoch oft fragmentiert und für viele schwer zugänglich.
Unsere Positionen:
Digitale Fairness steht vor vielen Herausforderungen. In unseren Publikationen beschreiben wir Probleme, skizzieren gesellschaftliche Auswirkungen von Machtungleichheiten, und zeigen, wie es anders gehen kann.
Thesenpapier: Digitale Fairness
Das Thesenpapier beleuchtet die Herausforderungen des digitalen Verbraucher*innenschutzes. Es zeigt die Relevanz eines strukturellen, machtkritischen Ansatzes, um zu verstehen, wie Verbraucher*innenschutz gerecht und zukunftsfähig gestaltet werden kann. Es skizziert zentrale Handlungsfelder, um echte Fairness für Menschen im digitalen Raum zu gewährleisten.
Das Netz, das wir wollen
Diskriminierende Algorithmen, undurchsichtige Datennutzung und wachsende Machtasymmetrien prägen den digitalen Alltag von Verbraucher*innen. Aber wie kommen wir von der Analyse digitaler Machtungleichgewichte zu konkreten Veränderungen? „Das Netz, das wir wollen“ zeigt: Verbraucher*innenschutz im Digitalen steht nie für sich allein. Er berührt Datenschutz, Gleichstellung, Kinderrechte und Antidiskriminierung, und damit grundlegende Fragen von Gerechtigkeit. Wir geben sechs politische Impulse dafür, wie digitaler Verbraucher*innenschutz zu einem menschenzentrierten Internet beitragen kann.
Im Zentrum steht ein Perspektivwechsel: Verbraucher*innenschutz im Digitalen darf nicht bei Transparenz und Einwilligung stehen bleiben. Stattdessen braucht es Fairness by Design und Default, echte Wahlmöglichkeiten statt Scheinwahlen wie „Pay or OK“, klare Regeln gegen diskriminierende Profilbildung und ein stärkeres Zusammendenken verschiedener Rechtsbereiche.
Zine: Don’t blame yourself – claim your rights!
Was können wir tun, wenn wir uns im digitalen Alltag manipuliert, überfordert oder machtlos fühlen? Das Mini-Zine erklärt niedrigschwellig, warum personalisierte Preise, Deceptive Patterns oder „Pay or OK“-Modelle keine individuellen Probleme sind, sondern Ausdruck struktureller Machtungleichgewichte.
Statt die Verantwortung bei einzelnen Verbraucher*innen zu suchen, zeigt das Zine: Plattformen sind nicht neutral, Design ist politisch und echte Wahlfreiheit braucht faire Voraussetzungen. Gleichzeitig ermutigt es dazu, die eigenen Rechte auf Privatsphäre, Transparenz, Datenlöschung und Unterstützung einzufordern.
Nächster Halt: Digitale Fairness!
Ist das Cookie-Banner das größte Internetproblem, oder doch das Tracking? Wer sich mit digitalem Verbraucher*innenschutz beschäftigt, ist konfrontiert mit einer überwältigenden Vielzahl von Problemen und Maßnahmen, die sie eindämmen sollen. Aus dem Wunsch, das Digitale gerechter zu machen, wird schnell ein Flickenteppich aus Handlungsempfehlungen.
Unsere Leitlinien setzen deshalb einen Schritt früher an: Sie formulieren übergreifende Gestaltungsprinzipien für einen zukunftsfähigen digitalen Verbraucher*innenschutz. Statt auf einzelne Technologien oder Probleme zu reagieren, fragen sie, welche Leitplanken wir heute brauchen, damit digitale Fairness auch unter veränderten technologischen und gesellschaftlichen Bedingungen Bestand hat.
Thematische Deep Dives:
Digitale Fairness entscheidet sich nicht nur am Cookie Banner oder am nächsten Klick. Sie berührt Fragen von Macht und Diskriminierung, von Teilhabe, Überwachung, Daten und globaler Gerechtigkeit. In fünf Essays schauen unsere Expert*innen genauer hin: Sie beleuchten zentrale Spannungsfelder aus unterschiedlichen Perspektiven und fragen, welche politischen, gesellschaftlichen und technologischen Weichen wir heute stellen müssen, damit digitale Räume morgen gerechter sind.
Alles über das Projekt „Forum Digitale Fairness und Verbraucher*innenschutz“
Die Inhalte dieser Webseite wurden im Kontext des Projekts „Forum Digitale Fairness und Verbraucher*innenschutz“ erarbeitet und durch das Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz aufgrund eines Beschlusses des Deutschen Bundestages. Einen Überblick über das Projekt und unsere Aktivitäten finden sich hier: